Zu ebener Erde und im ersten Stock
Das Glück ist launisch. Und das Gute siegt nur in ironischen Anführungszeichen.
Monsieur Bonbon, der Emilie - die Tochter des Millionärs, heiraten soll, steigt Salerl, einer Anverwandten Schluckers, nach, die mit Damian, seinem Schwager, verlobt ist. Emilie ihrerseits liebt Adolf, den Sohn der Familie Schlucker.
Zunächst findet sich unten in einem soeben angekauften Rock ein vergessener Geldbetrag – und der Besitzer gibt den Armen dreihundert Gulden Belohnung. Oben muss der Millionär hunderttausend Taler bezahlen, um seinen unsoliden Sohn vor dem Schuldenarrest zu bewahren.
Sodann gewinnt unten Frau Schlucker einen Terno in der Lotterie, das bringt achthundert Gulden. Herr Goldfuchs hingegen erfährt, dass nahezu sein ganzes Vermögen durch den Untergang eines Schiffes verloren ist.
Schließlich wird die Familie Schlucker eines „ungeheueren Reichtums” teilhaftig. Denn Adolf entpuppt sich als angenommenes Kind, dessen tot geglaubter Vater aus Indien Nachricht schickt, dass Adolf sein Erbe ist. Goldfuchs aber verliert durch ein Falissement seine letzten achtzigtausend Gulden. Die Armen beziehen die Prachtwohnung im ersten Stock, Goldfuchs darf gnadenhalber in das armselige Quartier zu ebener Erde einziehen.
Das Johann der schurkische Bediente des Millionärs schließlich eingesperrt wird, könnte als gerechte Strafe erscheinen. Doch er muss erst dran glauben, als er sich einen fremden Geldbeutel aneignet – solange er sich heimlich durch Betrügereien bereichert hatte, war er erfolgreich und beliebt, er wird also eigentlich nicht für seine Verbrechen, sondern nur für das Ungeschick im Begehen eines Verbrechens bestraft und seine Kollegen und Komplizen kommen ungestraft davon.
Georg Michael Zins, der Besitzer des Hauses, wirbt um die Tochter des Millionärs, wird aber abgewiesen, erfährt von Emilies Liebe zu Adolf und Möchte den Nebenbuhler unschädlich machen. Zu diesem Zweck erscheint er unten bei der armen, aber ehrlichen Familie und verlangt, dass man Adolf dreißig Meilen fort von hier schaffe. Die Angehörigen sind, weil ihnen die Unterstützung des Hausbesitzers winkt, mit dem brutalen Vorschlag sofort einverstanden.
Das „Geschäft” wird abgeschlossen. Und selbst als die ersten dreihundert Gulden die äußerste Not abgewehrt haben, wird der schuldlose Adolf von seinem Ziehvater beschimpft und herzlos behandelt. Später aber wird Adolf zum Millionenerbe. Und wie Adolf, als er arm war, von ehrlichen Leuten fast grundlos verprügelt worden wäre, wird nun der Geschäftspartner, der mit Berechtigung die Einhaltung des Vertrags fordert, von ihnen im Namen der Moral fast misshandelt.
Damian aber wittert kaum künftige Reichtümer, als er sofort zum Wortbruch ansetzt: Es is jetzt schon eine starke Gnad von mir, wenn ich Wort halt´ und die Salerl heirat´ ... Wenn ich das Stubenmädel da oben erobern könnt´! erweist sich als durchaus nicht besser und schleicht hinauf, um mit Emilies Stubenmädchen anzubandeln.
Am Schluss ereignet sich die obligate Häufung von Edelmut und Jubel mit dem Fazit: Fortunas Gunst ist wandelbar beziehungsweise: ´s Glück treibt´s auf Erden gar bunt, ´s Glück bleibt halt stets kugelrund.
Nestroy zeigt in diesem seinem scheinbar so moralischen Stück nicht den Fall der Bösen und den Aufstieg der Ehrlichen; er lässt uns diesseits und jenseits der sozialen Scheidewand Menschen sehen, die herzlos und skrupellos und unwahrhaftig sind. Oben im großen Stil - unten im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten.