Burg Liechtenstein: Johann Nestroys "Eulenspiegel"
Buntes Pointenfeuerwerk
Von Lona Chernel, Maria Enzersdorf
Die Festspiele Maria Enzersdorf präsentieren heuer auf Burg Liechtenstein ein kaum gespieltes Werk Johann Nestroys: "Eulenspiegel oder Schabernack über Schabernack" in einer turbulenten, rasanten Inszenierung von Elfriede Ott.
Man kommt aus dem Lachen kaum heraus bei diesem Verwirrspiel um Liebe und Intrigen, diesem bunten Pointenfeuerwerk, das der musikalische Leiter Franz Alexander Langer durch minutiös gesetzte Musikzitate bestens unterstützt. Rene Rumpold brilliert als Schalk Eulenspiegel. Einer der Höhepunkte des Abends ist sein Duett mit Athena Zervos, eine musikalische "Schlemmerreise" vom Feinsten.
Das Liebespaar (Bernadette Abendstein/Goran Miletic) ist bezaubernd, Elfriede Ott zieht alle Register der Komödiantik und das Komikerquartett (Martin Muliar, Gerhard Rühmkorf, Robert Tillian, Edi Jäger) ist kaum zu überbieten. Ein entspannendes Sommertheater in romantischer Umgebung.
Samstag, 23. Juli 2005
KRONEN ZEITUNG - 23.07.2005
Kritik von Oliver Lang
Burg Liechtenstein: Elfriede Ott, Nestroy
EULENSPIEGELS STREICHE
Den Zeigefinger an der Stirn, die Zunge weit herausgestreckt, die Augen weit aufgerissen: das ist Eulenspiegel! Bei den Sommerspielen in Maria Enzersdorf war er in Nestroys Posse "Eulenspiegel oder Schabernack über Schabernack" schwer im Einsatz, um eine Liebesgeschichte zur Heiratssache zu machen!
Dieser Eulenspiegel versteht zu unterhalten. Wenn die Klarinette das Eulenspiegel-Thema von Richard Strauss gluckst, dann ist es soweit: Der Schelm hat eine Idee geboren. Und die braucht er auch dringend, wenn er dem Müller Mehlwurm, der eine Hochzeit mit seinem Mündel Lenchen plant, die Pläne durchkreuzen will. Und schließlich ist da noch diese Wette, die Eulenspiegel mit dem Gutsherrn abgeschlossen hat...Reichlich Arbeit für den Schelm, reichlich Stoff für allerlei Verwicklungen und Verzerrungen.
In Elfriede Otts Reich auf Burg Liechtenstein geht alles seine gewohnt erfolgreichen Nestroy-Wege. Die Prinzipalin hat selbst inszeniert und dabei Text und Handlung ins beste Licht gerückt. Es ist ein - trotz aller Eskapaden und bunten Intrigen - solides, in sich ruhendes Theater, das mit genauer Zielrichtung und ohne zu viel Schabernack voranschreitet.
Wie sich die Fäden verwirren, wie sich die Ereignisse überschlagen, allerlei Liebespaare einander finden oder doch lieber die Finger von einander lassen, das ist mit dem nötigen Tempo, mit Schwung und einem Know-how für treffende Situationen aufbereitet. Sommertheater mit Charme also, das perfekte Stimmung und gute Unterhaltung bietet. Vor allem, wenn die Ott als Cordula auf der Bühne erscheint! Eine Komödiantin, die mit wenig Aufwand ihr Publikum zum Lachen bringt und Pointen genau plaziert. Rund um sie gruppiert sich ein engagiertes Ensemble: René Rumpold als kecker Eulenspiegel mit rollenden Auge, Bernadette Abendstein und Goran Miletic als schmuckes Pärchen Lenchen und Heinrich, Edi Jäger als herrlich komischer Poldi. Da ist alles erfreulich und gelungen! Hingehen, anschauen!
Thomas Jorda über die Johann-Nestroy-Posse
"Eulenspiegel" in Maria Enzersdorf
Nicht Geblödelt und deshalb sehr lustig
Die bekannte und durchaus schlüssige Argumentation, dass es gute Gründe gibt, warum manche Stücke selten oder nie gespielt werden, kann manchmal widerlegt werden.
Auf Burg Liechtenstein ist das Elfriede Ott glänzend gelungen. Mit dem "Eulenspiegel" hat sie, dank eines hervorragenden Ensembles, eine wirklich köstliche Posse geliefert.
Vor allem René Rumpold als nicht selten auch sehr bedrohlicher Eulenspiegel und Franz Robert Wagner sozial empfindender Nelkenstein verweigern dummes Herumblödeln und sind gerade deshalb komisch, Elfriede Ott als ältliche Witwe Cordula verkneift sich ebenfalls meist das Outrieren, hat daher herrlich heitere Szenen und beeindruckt mit der physischen Leistung angesichts ihrer achtzig Jahre.
Lokalmatadorin Athena Zervos hat eine herrliche Szene als Köchin mit Faible für die italienische Küche, und Edi Jäger als Pfiffikus Poldi bietet die grandiose Studie eines dummen Tölpels. Über ihn konnte man lachen wie selten noch.


