Krone

Unverwüstlich spaßig

Am 10. März 1842 wurde die Posse "Einen Jux will er sich machen" erstmals im Theater an der Wien gezeigt: Einer der nachhaltigen Erfolge Nestroys, der auch heute noch zum Kronschatz komödiantischen Theaters zählt. Unverwelkt in den Reizen, unverwüstlich in der elementaren Bühnenwirkung. Elfriede Ott zeigt den "Jux" bei den Maria Enzersdorfer Festspielen.

Vor der steil aufragenden Felswand der Burg Liechtenstein zeigt die bunte Kulisse den Gemischtwarenladen Zangler mit kleinbürgerlichem Biedermeier-Mobiliar. Prinzipalin Mme Ott bittet zum 24. Mal zu ihrer Sommersaison in Maria Enzersdorf.
In Otts Bearbeitung blüht Nestroy mit all seinem derben Wiener Schmäh auf. Ganz in Hans-Moser-Tradition entwickelt sich in der Inszenierung aus kleinem Übermut ein verwirrendes, turbulent witziges Beziehungsspiel. Der "Jux" hat sich zuletzt allemal ausgezahlt- für die Akteure und für die Zuschauer sowieso. Wie sagt Nestroy:"Und dann frag ich mich: Zahlt sich ein Jux aus, wenn man ihn mit fünf Schrecken, sieben Ängsten und einer Todeswagemut bezahlen muss?"
Herr Weinberl, ein braver Angestellter im Gemischtwarenhandel, räsonniert- allerdings erst, nachdem er so richtig auf die Pauke gehaut hat. Denn er ist schließlich ein grundsolider Mitarbeiter im Zanglerischen Laden. Als Dank für die diese Verlässlichkeit vertraut ihm sein Chef für drei Tage die Geschicke seines Geschäftes an, und obendrein wird er auch noch zum Teilhaber befördert. Kaum hat er den Karrieresprung geschafft und der grantelnde Meister Zangler- souverän Wilfried- ist in die Stadt abgereist, regen sich in Weinberl verruchte Wünsche. Nur einen Tag mal ein böser Kerl sein, ein Schwerenöter! Das fehlt ihm in seinem Dasein als anständiger Kaufmann.
Weinberl, komödiantisch gut nuanciert gespielt von Edi Jäger, findet im Lehrbuben Christoph (Sabine Staudacher) einen rührend clownesken Mitstreiter für seine Umtriebe. Und schon stolpern die beiden ausgebufften Helden von einer pikanten Situation in die andere.
So kommt Weinberl unversehens durch eine Notlüge an eine Ehefrau (Doris Nitsch), und der Kaufmann Azubi muss in Frauenkleidern vor dem nahenden Herrn von Zangler flüchten. Als obendrein Marie, Zanglers Mündel(Ev Mayer), mit ihrem liebsten August (Goran Miletic) auftaucht, ist das Chaos komplett. Schließlich will ihr Onkel sie mit Weinberl verkuppeln und lässt das Paar vom "klassisch" vertrottelten Hausdiener Melchior (energiegeladen und herrlich versoffen: Elfriede Ott) beschatten. Doch Zufälle, aberwitzige Verwechslungen und Maskeraden führen zum rauschenden Happy-End. Ein amüsantes, temporeiches Verwirrspiel unterm Sternenhimmel.


Wiener Zeitung

Theater live

Spiel um Sein und Schein

(cher) Johann Nestroys "Einen Jux will er sich machen" ist bei den Maria Enzersdorfer Festspielen das Transportmittel für ein undurchschaubares Spiel um Sein und Schein. Ist die Putzmacherin eine Frau, oder ein Mann? (Gernot Haas spielt das köstlich) Ist August Sonders ein Wichtigtuer, oder ein zärtlichliebender Schüchtl, ist seine Angebetete ein scheues Engelchen, oder eine raffinierte Draufgängerin (brillant Goran Miletic und Eva Mayer)? Und wie verrückt ist das Fräulein Blumenblatt wirklich (glänzend Linde Prelog)? Geheimnisse über Geheimnisse, welche die wunderbare Elfriede Ott dem Publikum raffiniert präsentiert. Und daneben noch hinreißend und ungemein liebenswert den Hausknecht verkörpert. Ein glänzender Publkumserfolg!